the streets are ours

Aufruf der Antifa Neckar Enz [anne] und des Libertären Bündnisses Ludwigsburg [LB]²

gemeinsam auf die straße – demonstrieren, informieren, diskutieren, feiern gegen nazigewalt, rassismus und nationalismus

20 Jahre nach den exzessiven Pogromen gegen Asylbewerber*innen und Migrant*innen, nicht nur in Rostock–Lichtenhagen, sind Naziaufmärsche und faschistische Gewalttaten immer noch nicht aus dem öffentlichen Bild verschwunden.

Mit vermeintlich antikapitalistischer Rhetorik und Auftreten versuchen Faschisten die zunehmend gesellschaftskritische Stimmungslage im Zuge der seit 5 Jahren andauernden Weltwirtschafts- und Finanzkrise zu vereinnahmen und sich bei den Ausgebeuteten und den vom gesellschaftlichen Abstieg bedrohten Menschen anzubiedern. Ihre Menschen verachtende Sprache kann jedoch nicht kaschieren, dass diese Menschen nur als Mittel zum Zweck für ihre aggressiven und zerstörerischen politischen Ziele dienen sollen.

Von den staatlichen Institutionen und den „demokratischen Parteien der Mitte“, werden sie zwar verbal nach außen hin bekämpft, in der Praxis aber mittels fadenscheiniger Rechtsverdrehungen toleriert und so fataler weise aktiv unterstützt.

Nur so ist erklärbar, dass unter den Augen verschiedener staatlicher Institutionen, besonders des sogenannten Verfassungsschutzes, eine kriminelle Nazibande mordend durch die BRD touren konnte. Aber auch weniger extreme Formen staatlicher Toleranz zeigen, dass wohlgemeinte Sprechblasen verpuffen, wenn dem das tatsächliche Handeln diametral entgegensteht:

- jahrelang betretenes Wegschauen hat keinen der Aufmärsche in Dresden verhindert. Im Gegenteil: die Teilnehmerzahlen wuchsen an. Erst das aktive Entgegentreten und Blockieren antifaschistischer Menschen aus ganz Europa, bei gleichzeitiger Repression der staatlichen Organe gegen diese, hat ab 2009 bewirkt, dass Dresden 2012 weitgehend nazifrei blieb.

- es ist bezeichnend, dass reihenweise antifaschistische GegendemonstrantInnen kriminalisiert und zum Teil gefangengesetzt werden, während die Aufmärsche der Faschisten unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit, geschützt, begleitet und freigeprügelt werden.

Auch hier in der Region Stuttgart ist es alles andere als ruhig, wenn auch nicht die ganz großen medial wahrgenommenen Hypes wie in Stolberg, Dresden oder Dortmund stattfinden.

Neonazis aus Ludwigsburg, darunter einer der Hauptangeklagten, waren an dem Brandanschlag in Winterbach auf 5 feiernde Menschen Beteiligt. Auch der Aufmarsch am 1.Mai 2011 in Heilbronn, als die Nazis marschieren konnten, während hunderte Antifaschisten stundenlang eingekesselt wurden, sowie der unter Polizeischutz durchgeführte Auflauf am 17.9.2011 in Leonberg zeugen von Aktivitäten im Umkreis. In Stuttgart konnten am 23.7.2012 15 die NPD unter massivem Polizeischutz agieren.

Jetzt wollen sie am 6.10.2012 unter dem Motto : Ausbeutung stoppen – Kapitalismus zerschlagen, in Göppingen aufmarschieren !

In Zeiten der Krise werden auch die Probleme mit faschistischer Hetze in der Gesellschaft wieder zunehmen. Einfache und weniger komplexe Antworten werden für viele Menschen, die dann schauen müssen, wie sie im Alltag über die Runden kommen, die scheinbar plausible Lösung sein. Waren es ab 2010 die „Pleite–Griechen“ welche für die wirtschaftliche Schieflage und die Existenzängste vieler Menschen hier im Land verantwortlich waren, dann sind es vielleicht bald Menschen mit anderer „Hautfarbe“, Behinderung und Migrationshintergrund oder Homosexuelle und religiöse Minderheiten.

Darum: Wehren wir gemeinsam den Anfängen. Zeigen wir Präsenz in Betrieb, Schule und unserem Kiez und zeigen wir am 15.9.2012 auf den Ludwigsburger Straße, dass Nazis auch hier nicht erwünscht sind.

Treffpunkt: 15 Uhr, Bahnhof Ludwigsburg
Danach Rock gegen Rechts Open Air um 17 Uhr im Scala-Biergarten

Rock gegen Rechts Ludwigsburg 2012

Das dritte Rock gegen Rechts in Ludwigsburg wird dieses Jahr am 15. September 2012 stattfinden. Die Antifa Neckar Enz unterstützt die Veranstaltung und ruft alle Antifaschist*innen zur Teilnahme an der Streetparade gegen Nazi-Gewalt auf. Im Anschluss an die Streetparade gibt es wieder ein Konzert im Scala Biergarten. Wir veröffentlichen an dieser Stelle den Aufruf des RGR-Bündnisses, dem wir uns ebenfalls anschließen. Der Aufruf wird außerdem von folgenden Gruppen unterstützt: Antifa Neckar Enz, attac LB/Besigheim, Demokratisches Zentrum (DemoZ), DGB Jugend, GEGEN_KULTUR Stuttgart, GEW, Grüne Jugend LB, IG Metall Jugend LB, IG BCE, Jusos LB, Libertäres Bündnis Ludwigsburg – (LB)², Linksjugend [’solid] LB, RASH Stuttgart, Mauthausenkomitee Stuttgart, Stolpersteine LB, VVN-BdA LB.

Gemeinsam auf die Straße zum ROCK GEGEN RECHTS 2012!

Auch in diesem Jahr veranstaltet das Rock gegen Rechts Bündnis bestehend aus verschiedenen politischen Gruppen und Einzelpersonen ein Konzert und eine Demonstration gegen Neo-Nazis und „rechtes Gedankengut“. Wie die im vergangenen November bekannt gewordenen Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds zeigen, stellt der Rechtsradikalismus weiterhin eine sehr große und lebensbedrohende Gefahr dar. Der Umgang der Behörden, die ihre Ermittlungen nahezu komplett auf das Umfeld der Opfer konzentrierten und einen rechten Hintergrund ausblendeten, spricht dabei Bände. Dies ist unseres Erachtens nicht mit bürokratischen Fehlern zu entschuldigen.

Die vor allem von konservativen PolitikerInnen propagierte „Extremismustheorie“, die uns weismachen will, dass Rechts und Links irgendwie das Gleiche wären, stellt NazigegnerInnen mit Rechtsradikalen auf eine Stufe. Zu diesem Konstrukt sagen wir NEIN DANKE!

Im Landkreis Ludwigsburg sind Neo-Nazis ebenfalls präsent. Immer wieder kommt es zu Hausdurchsuchungen in der Neo-Nazis Szene, so z.B. in Bezug auf die Standarte Württemberg (eine Neo-Nazi Kameradschaft) oder in Bezug auf den Mordanschlag in Winterbach. Die Rechtsrock Band Kommando Skin, verlegt auf dem Neo-Nazi Label RACords, ist ebenfalls hier ansässig. Weiterhin taucht immer wieder rechte Propaganda in Form von Aufklebern und Sprühereien im Stadtbild von LB und Bietigheim, sowie den umliegenden Orten auf!

Gemeinsam wollen wir klarmachen: Auch im Kreis Ludwigsburg ist kein Platz für „rechtes Gedankengut“! Wir wollen ein breites Bündnis von Menschen aus vielen verschiedenen Gruppen der Gesellschaft, das eine klare Grenze gegen Parolen und Aktionen der Neonazis zieht. Wir wollen gemeinsam demonstrieren und wir wollen gemeinsam feiern.

Mehr Infos auch auf Facebook unter www.facebook.com/rgrludwigsburg

Nachreiche: Faschismustheorien

In unserer gestrigen Veranstaltung haben wir versucht zu klären, was Faschismus und Nationalsozialismus bedeuten und was ihre spezifischen Strukturmerkmale sind. Erst einmal danke an die zahlreich erschienen Gäste, die sich rege an der Diskussion beteiligt haben und natürlich geht unser Dank auch die beiden ReferentInnen des VVN-BdA. Zur Nachlese gibt es hier ein paar Büchertipps und Links, die einige wichtige Beiträge zur Erklärung des Phänomens Faschismus geben. Wir sehen uns bei der nächsten [anne]-Veranstaltung. Haltet Augen und Ohren offen! Alerta!

Faschismusdefinitionen (Auswahl)
Die Position von Georgi Dimitroff und der Komintern
Bonapartismustheorie: August Thalheimers Theorie des Faschismus aus dem Jahr 1928
Leo Trotzkis Faschismusanalyse
Wilhelm Reich und sexualökonomische Faschismustheorie
Die Frankfurter Schule: Faschismus und autoritärer Charakter
Hannah Arendt und die Theorie der totalen Herrschaft
Die Antideutschen und die Postnazismus-Theorie
Zum Unterschied zwischen Faschismus und Nationalsozialismus

Buchtipps:

Guido Speckmann, Gerd Wiegel: Faschismus. Köln 2012.
Reinhard Kühnl: Faschismustheorien. Ein Leitfaden. Heilbronn 1990.
Heiko Kauffmann u.a. (Hg.): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt. Münster 2005.
Konrad Hecker: Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung. München 1996.

12.7.: Was beudetet Faschismus?

Nazi hier, Fascho da – sogar Linke und DemokratInnen werden heutzutage von manchen als Nazis beschimpft. Doch was steckt hinter dem Begriff des Faschismus? Was unterscheidet den Faschismus vom Nationalsozialismus und welche verschiedenen Erklärungen gibt es zu den Ursachen von Faschismus und Nationalsozialismus? Welche Theorien werden aus welchen gründen popularisiert innerhalb und außerhalb der politischen Linken? Diesen Fragen wollen wir uns gemeinsam mit einem Vertreter des VVN/BdA und AktivistInnen der [anne] nähern. Diese Veranstaltung ist die letzte im Rahmen der Reihe „Antifa heiszt Aufklärung“.

Antifa heiszt Aufklärung

Wann: Donnerstag, 12. Juni, ab 20:00 Uhr
Wo: Demokratisches Zentrum Ludwigsburg (Wilhelmstr. 45/1)
Wieviel: Eintritt ist frei, eine freiwillige Spende aber erwünscht.

Nationalist*innen, Antisemit*innen und Rassist*innen sind von dieser Veranstaltung ausgeschlossen.

Eine Veranstaltung der [anne] – Antifa Neckar Enz

Soli-Party für’s Rock gegen Rechts

Am 23. Juni steigt im Flint eine Soli-Party für das diesjährige Rock gegen Rechts in Ludwigsburg, das am 15. September stattfindet. Eintritt ist frei, die Bar hat durchgehend geöffnet und der DJ weiß wie der Hase läuft. Mehr dazu auf der FB-Seite.